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"Komm' mir nicht zu nah, aber ich liebe Dich!"
Die traurige Unmöglichkeit der Möglichkeit bei Bindungsängsten
"Als Bindungsangst (...) wird eine unüberwindliche Angst vor Gefühlen, Nähe, Intimität, Selbstverpflichtung und Commitment bezeichnet, die solchen Personen zugeschrieben wird, die mit einer anderen Person zwar eine Sex- oder Liebesbeziehung unterhalten, den Wunsch des Partners nach einer vollen Partnerschaft aber zurückweisen. Aus der Sicht ihrer Partner genießen diese Personen zwar viele der Annehmlichkeiten der Beziehung, lehnen es aber ab, sich rückhaltlos zu der Beziehung zu bekennen. Die Beziehung bleibt in der Schwebe. Für den Partner kann dies erhebliches Leid erzeugen." (Wikipedia)
In der klinischen Psychologie (ICD-10, DSM-5) ist eine „Beziehungs-" oder "Bindungsangst“ nicht dokumentiert. Und doch stellt für viele Menschen diese Angst ein echtes Problem dar. Sie lässt sich ohne Hilfestellung meist kaum beherrschen, es zeigen sich durchaus Parallelen zu einer spezifischen Phobie.
Während jedoch der Phobiker jeweils zum Beispiel einer Spinne oder dem engen Aufzug im Alltag relativ gut aus dem Weg gehen kann (wenn nicht doch der Entschluss fällt, das Thema in einer Psychotherapie aktiv anzugehen und die Kontrolle in solchen Situationen zu erlangen), wirkt sich Beziehungsangst unvermeidlich auf die ganze Lebensgestaltung der Betroffenen aus - und natürlich deren Partner, falls vorhanden...
Worin besteht nun genau die Angst?!
Betroffene haben weniger vor einer konkret umschriebenen Sache oder Situation außerhalb des Körpers Angst, sondern einem komplexen Konstrukt mit vielschichtigen Gefühlen und notwendigen Einlassungen: einer "festen Beziehung". Den Wunsch nach Liebe, Wertschätzung, Sex und einer verlässlichen Bezugsperson, was also vornehmlich eine "gesunde" Partnerschaft ausmachen sollte, spüren die meisten von ihnen genauso, allerdings wird es schwierig bei Beziehungselementen wie:
- Verbindlichkeit
- Nähe
- Langfristigkeit
- Ausschließlichkeit
- Auseinandersetzungen
- Eifersucht
Darauf reagieren Menschen mit Beziehungsangst typischerweise mit Distanz, Rückzug und Abweisung. Anstatt einer exklusiven Partnerschaft wird infolgedessen vielleicht eher eine unverbindliche "Mingle"-Beziehung vorgeschlagen, in der Hoffnung, die andere Person damit zumindest "bei der Stange zu halten".
Auf der Suche nach den Ursachen
In vielen Fällen wird Beziehungsangst ganz allgemein von negativen Erfahrungen auf dem Gebiet des Zusammenlebens ausgelöst. So etwa häufige Streitigkeiten zwischen den Eltern, erlebt als Kind. Oder einschneidende Vorkommnisse mit einem Ex-Partner: Von Enttäuschungen, Verletzungen und sexueller Untreue über häusliche Gewalt bis hin zu einem möglicherweise daraus resultierenden Kontrollwahn und krankhafter Eifersucht.
Wer den Schmerz einer Trennung nicht überwunden hat und noch mitten in einer der einzelnen "Trennungsphasen" hängt, kann sich ebenfalls schwer damit tun, sich auf Neues (oder auch Altbewährtes!) einzulassen. Dann geht die Bindungsangst parallel oft mit einer sog. "Trennungs-" oder "Verlustangst" einher, mit identischem Effekt: Betroffene wirken emotional unnahbar, manchmal auch im engen Familien- und Freundeskreis. Tatsächlich keine sonderlich entspannten Voraussetzungen für eine Partnersuche!
Wo soll das hinführen?
Leben Menschen mit Beziehungsangst längere Zeit allein oder eben als Mingle, manifestiert sich in ihnen gern dieses negative Bindungsgefühl und -verhalten. Ihre Vermeidungsstrategie funktioniert zwar auf den ersten Blick vermeintlich wunderbar: Keine feste Beziehung, von daher keine traurige Trennung und kein zu befürchtender Schmerz... Jedoch bei etwas genauerer Betrachtung zahlen sie meist einen hohen Preis: keine Nähe, keine Vertrautheit und keine "tiefe" Liebe!
Wer bei sich Anzeichen von Bindungsangst wahrnimmt, aber innerlich trotzdem eine Partnerschaft herbeisehnt (und vielleicht sogar seit längerem auf Partnersuche ist) oder diese vielleicht sogar schon hat, sollte deshalb besser eine Psychotherapie in Betracht ziehen als es auf eine innerliche Zerreißprobe anzulegen, auf eine Gratwanderung zu gehen mit sich oder/und seinem Partner. Die Gefahr, letztendlich das gemeinsame "Glück" niemals zu finden und damit unter Umständen sogar eine depressive Symptomatik zu entwickeln, ist groß. Für alle Beteiligten!
hr